3 kW, 4 kW, 7,5 kW oder noch mehr: Wer verschiedene Industriesauger miteinander vergleicht, landet schnell bei der Motorleistung. Die Logik scheint zunächst eindeutig. Mehr Kilowatt bedeuten mehr Leistung – und damit müsste ein stärkerer Motor auch automatisch besser saugen. Technisch funktioniert ein Industriesauger allerdings nicht so einfach.
Die Angabe in Kilowatt beschreibt zunächst die Leistung des Antriebs. Sie sagt allein noch nicht aus, wie viel Luft ein Industriesauger bewegt, welchen Unterdruck er erzeugt oder wie gut er Staub, Späne, Granulate und andere Materialien unter realen Bedingungen transportieren kann. Ein Industriesauger mit höherer Motorleistung kann für eine bestimmte Anwendung leistungsfähiger sein. Er muss es aber nicht zwangsläufig sein.
Entscheidend sind unter anderem Unterdruck, Volumenstrom, Bauart der Saugeinheit, Wirkungsgrad, Filterzustand, Schlauchdurchmesser, Leitungslänge und der tatsächliche Betriebspunkt des Systems.
Wer Industriesauger ausschließlich anhand der kW-Angabe vergleicht, betrachtet deshalb nur einen Teil des technischen Gesamtbildes.
Was bedeutet die Motorleistung eines Industriesaugers?
Die Motorleistung wird üblicherweise in Kilowatt (kW) angegeben. Sie beschreibt die Leistung des Antriebs, der die Saugeinheit beziehungsweise das Gebläse antreibt. Dabei ist zunächst wichtig, verschiedene Leistungsgrößen nicht miteinander zu vermischen.
Die elektrische Leistungsaufnahme eines Motors ist nicht identisch mit der tatsächlich auf den Luftstrom übertragenen Leistung. Innerhalb des Systems entstehen Verluste, beispielsweise im Motor, im Gebläse und durch weitere mechanische oder elektrische Komponenten. Wie effizient die eingesetzte Energie in eine nutzbare Luftbewegung umgesetzt wird, hängt von Konstruktion und Wirkungsgrad des Systems ab.
Deshalb können zwei Industriesauger mit ähnlicher Motorleistung unterschiedliche Werte bei Unterdruck und Volumenstrom erreichen. Umgekehrt können zwei Geräte mit unterschiedlichen kW-Werten je nach Anwendung ein ähnliches Ergebnis liefern. Die Motorleistung ist damit eine wichtige technische Kenngröße. Als alleiniger Maßstab für die Saugleistung reicht sie jedoch nicht aus.
Bedeutet mehr kW automatisch mehr Saugleistung?
Nein. Eine höhere Motorleistung ermöglicht grundsätzlich die Bereitstellung einer höheren Antriebsleistung, sagt aber noch nicht, wie diese Leistung innerhalb des Saugsystems umgesetzt wird. Das lässt sich bereits an realen Industriesaugern erkennen.
Der mobile Delfin DM3 arbeitet beispielsweise mit drei Bypass-Wechselstrommotoren und besitzt eine Leistung von 3,45 kW. Das Gerät erreicht einen maximalen Luftdurchsatz von 540 m³/h und einen maximalen Unterdruck von 2.500 mmH₂O.
Der Delfin DG 50 EXP SE besitzt dagegen einen dreiphasigen Seitenkanalverdichter mit 4,6 kW Leistung. Sein maximaler Luftdurchsatz liegt laut aktuellem Datenblatt bei 320 m³/h, während der maximale Unterdruck 5.100 mmH₂O erreicht.
Der 4,6-kW-Sauger bewegt damit laut Datenblatt weniger maximale Luft als der 3,45-kW-Sauger, erreicht aber einen erheblich höheren maximalen Unterdruck.
Genau dieses Beispiel zeigt, warum „mehr kW = mehr Saugleistung“ als Vergleich nicht funktioniert. Beide Geräte wurden für unterschiedliche Leistungscharakteristiken und Einsatzbedingungen konstruiert.
Unterdruck und Volumenstrom sagen mehr über das Saugverhalten aus
Um die Leistung eines Industriesaugers sinnvoll beurteilen zu können, müssen mindestens zwei weitere Größen berücksichtigt werden: Unterdruck und Volumenstrom.
Der Unterdruck beschreibt die Druckdifferenz, die das Saugsystem gegenüber der Umgebung erzeugen kann. Ein hoher verfügbarer Unterdruck wird insbesondere dann relevant, wenn größere Widerstände überwunden werden müssen – beispielsweise durch lange Leitungen, schwere Materialien oder komplexe Rohrsysteme.
Der Volumenstrom beschreibt dagegen, wie viel Luft innerhalb einer bestimmten Zeit bewegt wird. Typische Angaben erfolgen in m³/h oder l/s. Diese Luftbewegung transportiert das aufgenommene Material durch den Saugschlauch beziehungsweise das Rohrleitungssystem.
Ein Motor stellt also die notwendige Antriebsleistung bereit. Wie sich diese anschließend in Unterdruck und Luftdurchsatz übersetzt, hängt von der gesamten Konstruktion ab.
Die Bauart der Saugeinheit macht einen Unterschied
Industriesauger können mit unterschiedlichen Saugeinheiten ausgestattet sein. Das beeinflusst sowohl das Leistungsprofil als auch die geeigneten Einsatzbereiche.
Bei mobilen Wechselstrom-Industriesaugern kommen beispielsweise Bypass-Motoren zum Einsatz. Der Delfin DM3 nutzt drei solcher Wechselstrommotoren. Das Gerät erreicht mit 3,45 kW einen maximalen Luftdurchsatz von 540 m³/h und 2.500 mmH₂O Unterdruck.
Drehstrom Industriesauger können dagegen mit Seitenkanalverdichtern ausgestattet sein. Ein Seitenkanalverdichter ist für andere Betriebsbedingungen konstruiert und eignet sich insbesondere für Anwendungen, bei denen ein kontinuierlicher Betrieb erforderlich ist. Bei der Delfin-DG-Serie werden Seitenkanalverdichter beispielsweise für industrielle Daueranwendungen eingesetzt.
Damit können zwei Geräte mit ähnlichen kW-Werten völlig unterschiedliche technische Eigenschaften besitzen. Ein Vergleich nach Motorleistung ohne Berücksichtigung der Saugeinheit kann deshalb schnell zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Der Wirkungsgrad: Wo bleibt die eingesetzte Energie?
Nicht jede Kilowattstunde elektrischer Energie wird vollständig in nutzbare Saugleistung umgewandelt. Motor, Gebläse und weitere Komponenten besitzen jeweils einen bestimmten Wirkungsgrad. Ein Teil der eingesetzten Energie geht beispielsweise als Wärme oder durch mechanische und elektrische Verluste verloren.
Das macht den Wirkungsgrad zu einem weiteren Faktor bei der Beurteilung eines Saugsystems. Ein effizient ausgelegtes System kann die verfügbare Motorleistung besser nutzen als ein weniger effizient arbeitendes System. Zwei Geräte mit gleicher elektrischer Leistungsaufnahme müssen deshalb nicht denselben nutzbaren Unterdruck oder Volumenstrom bereitstellen.
Gerade bei langen täglichen Betriebszeiten ist dieser Aspekt auch energetisch relevant. Ein größer dimensionierter Motor, der für eine Anwendung gar nicht benötigt wird, ist nicht automatisch die wirtschaftlichere Lösung. Eine bedarfsgerechte Auslegung kann sowohl für den Prozess als auch für den Energieverbrauch sinnvoller sein.
Filter beeinflussen die nutzbare Leistung
Auch der Filter gehört zum Strömungssystem eines Industriesaugers. Luft muss das Filtermedium passieren, wodurch ein Druckverlust entsteht. Mit zunehmender Staubbeladung kann dieser Widerstand steigen. Das kann wiederum den verfügbaren Volumenstrom beeinflussen.
Besonders bei großen Mengen feinen Staubs ist deshalb nicht nur die Motorleistung relevant, sondern auch die Auslegung des Filtersystems und dessen Abreinigung. Ein gutes Beispiel ist der Delfin DM3 EL AUT. Das Gerät arbeitet ebenfalls mit 3,45 kW Leistung und erreicht maximal 540 m³/h sowie 2.500 mmH₂O Unterdruck. Zusätzlich besitzt es zwei Filterpatronen und das automatische ClearAut-Filterabreinigungssystem.
Damit wird deutlich: Zwei Industriesauger können dieselbe Motorleistung sowie dieselben nominellen Unterdruck- und Luftdurchsatzwerte besitzen und sich dennoch durch ihre Filtertechnik für unterschiedliche Einsatzbedingungen eignen.
Welche Motorleistung braucht ein Industriesauger?
Eine pauschale kW-Empfehlung wäre wenig sinnvoll. Für gelegentliche Reinigungsarbeiten an Maschinen können andere Leistungsdaten ausreichen als für die kontinuierliche Aufnahme großer Materialmengen.
Auch das Saugmedium spielt eine entscheidende Rolle. Feiner Staub besitzt andere Transporteigenschaften als schwere Metallspäne. Flüssigkeiten stellen andere Anforderungen als Granulate. Lange Rohrleitungen verursachen andere Druckverluste als kurze Saugschläuche.
Bei der Auswahl sollten deshalb mindestens folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Art und Dichte des aufzunehmenden Materials
- anfallende Materialmenge
- erforderlicher Volumenstrom
- erforderlicher Unterdruck
- Schlauch- oder Rohrdurchmesser
- Länge des Saugwegs
- Anzahl von Bögen und Verengungen
- Filterfläche und Filterwiderstand
- Filterabreinigung
- tägliche Betriebsdauer
- mobiler oder stationärer Einsatz
- gegebenenfalls Anforderungen an ATEX, Staubklasse oder weitere Schutzmaßnahmen
Erst aus diesem Gesamtbild lässt sich eine geeignete Motor- und Saugeinheit auswählen.
Ein Vergleich aus der Praxis: ähnliche kW, völlig anderes Verhalten
Der Vergleich zwischen dem DM3 und dem DG 50 EXP SE macht den Unterschied besonders deutlich.
Der DM3 besitzt 3,45 kW Motorleistung, erreicht maximal 540 m³/h und 2.500 mmH₂O Unterdruck. Er arbeitet mit drei Bypass-Wechselstrommotoren.
Der DG 50 EXP SE besitzt 4,6 kW, erreicht maximal 320 m³/h und bis zu 5.100 mmH₂O. Seine Saugeinheit ist ein dreiphasiger Seitenkanalverdichter.
Wer ausschließlich die Motorleistung betrachtet, sieht zunächst nur: 3,45 kW gegenüber 4,6 kW.
Technisch zeigt sich jedoch ein wesentlich interessanteres Bild: Der DM3 bietet laut Datenblatt den höheren maximalen Luftdurchsatz. Der DG 50 EXP SE erreicht dagegen ungefähr den doppelten maximalen Unterdruck.
Welches Gerät für einen Prozess besser geeignet ist, lässt sich daraus trotzdem nicht pauschal ableiten. Dafür müssen Material, Leitungsweg, Betriebsdauer, erforderlicher Luftdurchsatz und auftretende Druckverluste bekannt sein. Genau deshalb sollte die Motorleistung nie isoliert betrachtet werden.
Der stärkere Motor ist nicht automatisch der bessere Industriesauger
Eine hohe kW-Zahl sieht im Datenblatt leistungsfähig aus. Für die Auswahl eines Industriesaugers reicht sie trotzdem nicht. Die Motorleistung beschreibt, welche Leistung der Antrieb bereitstellt. Wie gut ein Industriesauger in einer konkreten Anwendung arbeitet, hängt davon ab, wie diese Leistung in Unterdruck und Volumenstrom umgesetzt wird und welcher Betriebspunkt unter den tatsächlichen Systembedingungen entsteht.
Auch Saugeinheit, Filter, Leitungslänge, Schlauchdurchmesser, Material und Betriebsdauer beeinflussen das Ergebnis. Ein 4-kW-Industriesauger kann deshalb einen völlig anderen Leistungscharakter besitzen als ein anderes Gerät mit ähnlicher Motorleistung. Selbst ein Gerät mit weniger kW kann bei einer bestimmten Anwendung die passendere technische Lösung darstellen.
Häufige Fragen zur Motorleistung von Industriesaugern
Nein. Die Motorleistung gibt die Leistung des Antriebs an. Die tatsächlich nutzbare Saugleistung hängt zusätzlich von Unterdruck, Volumenstrom, Bauart der Saugeinheit, Wirkungsgrad und den Widerständen des gesamten Saugsystems ab. Ein Industriesauger mit mehr kW ist deshalb nicht automatisch für jede Anwendung leistungsfähiger.
Das hängt von der Anwendung ab. Materialart und -menge, Leitungslänge, Schlauchdurchmesser, benötigter Volumenstrom, Druckverluste, Filter und Betriebsdauer beeinflussen die erforderliche Leistung. Deshalb gibt es keinen pauschalen kW-Wert, der für alle industriellen Anwendungen geeignet ist.
Alle drei Werte beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. Die Motorleistung steht für die Leistung des Antriebs. Der Unterdruck beschreibt die erzeugbare Druckdifferenz, während der Volumenstrom angibt, welche Luftmenge bewegt wird. Für die tatsächliche Absaugaufgabe sind insbesondere der verfügbare Unterdruck und Volumenstrom am realen Betriebspunkt relevant.
Motorleistung wird durch die Konstruktion der Saugeinheit unterschiedlich in Unterdruck und Luftdurchsatz umgesetzt. Zusätzlich beeinflussen Filter, Schlauch, Rohrleitungen und Zubehör den Betriebspunkt. Zwei Geräte mit ähnlichen kW-Werten können deshalb deutlich unterschiedliche Kennlinien und Einsatzbereiche besitzen.
Nicht zwangsläufig. Lange Leitungen erhöhen die Druckverluste und können deshalb eine leistungsfähigere Saugeinheit erforderlich machen. Entscheidend ist jedoch, ob das Gesamtsystem am vorgesehenen Betriebspunkt den notwendigen Volumenstrom und Unterdruck bereitstellt. Eine größere Motorleistung allein korrigiert keine ungeeignete Rohrleitungsdimensionierung.