ATEX oder ACD: Welcher Industriesauger ist für brennbare Stäube geeignet? Diese Frage stellt sich in vielen industriellen Anwendungen, in denen brennbare oder potenziell explosionsfähige Stäube entstehen. Bei der Auswahl eines Industriesaugers müssen nicht nur Material, Saugkraft und Filtertechnik betrachtet werden. Auch die Umgebung, in der der Sauger eingesetzt wird, spielt eine entscheidende Rolle. Dabei tauchen zwei Begriffe besonders häufig auf: ATEX und ACD. Beide stehen im Zusammenhang mit dem sicheren Umgang mit brennbaren Stäuben. Sie sind jedoch nicht dasselbe und sollten bei der Auswahl eines Industriesaugers nicht miteinander verwechselt werden.
Vereinfacht gesagt:
- ACD-Industriesauger sind für die Aufnahme brennbarer Stäube in Bereichen vorgesehen, die nicht als explosionsgefährdete Bereiche klassifiziert sind.
- ATEX-Industriesauger sind für den Einsatz in entsprechend definierten explosionsgefährdeten Bereichen ausgelegt und müssen die dafür geltenden Anforderungen erfüllen.
Doch ganz so einfach ist die Auswahl in der Praxis nicht.
Was bedeutet ACD bei Industriesaugern?
ACD wird im Zusammenhang mit Industriesaugern als Bezeichnung für Geräte verwendet, die für die Aufnahme brennbarer Stäube ausgelegt sind. Die IEC 60335-2-69:2021 enthält Anforderungen für gewerbliche Nass- und Trockensauger und behandelt ausdrücklich auch Maschinen zur Aufnahme brennbarer Stäube in Bereichen, die keine explosive Staubatmosphäre darstellen. In der Praxis werden ACD-Industriesauger daher insbesondere für Anwendungen eingesetzt, bei denen brennbare Stäube sicher aufgenommen werden müssen, der Industriesauger selbst jedoch außerhalb eines klassifizierten explosionsgefährdeten Bereichs steht.
Ein typisches Szenario kann beispielsweise so aussehen:
In einem Produktionsbereich entsteht brennbarer Staub. Der Bereich, in dem der Staub anfällt, kann unter bestimmten Bedingungen als explosionsgefährdet eingestuft sein. Der Industriesauger wird jedoch außerhalb dieses klassifizierten Bereichs positioniert. Mit geeignetem, für die Anwendung ausgelegtem Zubehör wird der Staub von der entsprechenden Stelle aufgenommen. Hier ist die genaue Auslegung der Anwendung entscheidend.
Was bedeutet ATEX?
ATEX steht für „ATmosphères EXplosibles“ und bezeichnet den europäischen Rechtsrahmen für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen. Für Geräte und Schutzsysteme ist insbesondere die Richtlinie 2014/34/EU relevant. Bei ATEX geht es deshalb nicht lediglich darum, dass ein Gerät brennbaren Staub aufnehmen kann. Entscheidend ist auch, ob und wo eine explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sein kann.
Bei brennbaren Stäuben werden dabei die Zonen 20, 21 und 22 unterschieden.
- Zone 20: Explosionsfähige Staubatmosphäre ist ständig, langzeitig oder häufig vorhanden.
- Zone 21: Explosionsfähige Staubatmosphäre kann im Normalbetrieb gelegentlich auftreten.
- Zone 22: Eine explosionsfähige Staubatmosphäre tritt im Normalbetrieb normalerweise nicht auf; wenn sie entsteht, dann nur selten und für kurze Zeit.
Für Gase, Dämpfe und Nebel gelten entsprechend die Zonen 0, 1 und 2. Die Zoneneinteilung ist eine wichtige Grundlage dafür, welche Geräte in einem Bereich eingesetzt werden dürfen.
Der entscheidende Unterschied: Wo steht der Industriesauger?
Bei der Unterscheidung zwischen ACD und ATEX ist deshalb eine Frage besonders wichtig: Befindet sich der Industriesauger selbst in einem explosionsgefährdeten Bereich? Das ist einer der wesentlichen Punkte bei der Auswahl.
Fall 1: Der Industriesauger steht außerhalb der Ex-Zone
Wenn brennbarer Staub aufgenommen werden soll, der Industriesauger selbst aber außerhalb eines klassifizierten explosionsgefährdeten Bereichs steht, kann, abhängig von der konkreten Anwendung, ein ACD-Industriesauger die passende Lösung sein. Die IEC 60335-2-69:2021 behandelt Geräte für brennbare Stäube in Bereichen außerhalb einer explosiven Staubatmosphäre.
Fall 2: Der Industriesauger steht innerhalb einer Ex-Zone
Befindet sich der Industriesauger selbst in einem Bereich, der als explosionsgefährdet klassifiziert ist, müssen die Anforderungen für den Einsatz in dieser Zone berücksichtigt werden. Dann kann ein entsprechend ausgelegter beziehungsweise zertifizierter ATEX-Industriesauger erforderlich sein. Ein ACD-Sauger ist deshalb nicht automatisch ein Ersatz für einen ATEX-Industriesauger.
ACD oder ATEX: Der direkte Vergleich
| Merkmal | ACD-Industriesauger | ATEX-Industriesauger |
| Aufnahme brennbarer Stäube | Ja, für entsprechend geeignete Anwendungen | Ja |
Einsatz außerhalb klassifizierter | Typischer Einsatzbereich | Möglich, je nach Ausführung |
| Einsatz innerhalb einer ATEX-Zone | Nicht pauschal zulässig | Entsprechend der Zulassung und Kennzeichnung |
Explosionsgefährdeter Aufstellort | Nicht der typische Anwendungsfall | Muss zur jeweiligen Zone passen |
| Grundlage | u. a. IEC 60335-2-69 | ATEX-Anforderungen und je nach Gerät weitere einschlägige Normen |
Zonenzuordnung | Nicht als Ersatz für eine Zonenzulassung | Zone und Gerätekategorie müssen zusammenpassen |
| Typische Anwendung | Brennbare Stäube außerhalb klassifizierter Bereiche | Absaugung in entsprechend klassifizierten explosionsgefährdeten Bereichen |
Wichtig: Die konkrete Eignung eines Gerätes kann nicht allein anhand der Bezeichnung „ACD“ oder „ATEX“ beurteilt werden. Saugmedium, Zone, Aufstellort, Zubehör und Einsatzbedingungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
Kann ein ACD-Sauger Staub aus einer ATEX-Zone aufnehmen?
Das kann grundsätzlich eine mögliche Anwendung sein, wenn der ACD-Sauger außerhalb der klassifizierten Zone positioniert wird und die gesamte Anwendung einschließlich Schlauch, Düse und sonstigem Zubehör dafür geeignet ist. Genau diese Unterscheidung ist in der Praxis wichtig. Der Staub kann sich beispielsweise in einem klassifizierten Bereich befinden, während der Industriesauger außerhalb dieses Bereichs steht. Dann sind zwei unterschiedliche Aspekte zu betrachten:
Wo befindet sich das Saugmedium?
und
Wo befindet sich das Gerät?
Diese beiden Fragen dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Soll ein Industriesauger innerhalb einer ATEX-Zone betrieben werden, muss geprüft werden, ob das konkrete Gerät für die entsprechende Zone, Atmosphäre und Anwendung geeignet ist. Für mobile elektrische Sauger zur Aufnahme brennbarer Stäube in einer explosiven Staubatmosphäre existiert mit IEC 62784 eine eigene Norm, die Anforderungen an Geräte mit Equipment Protection Level Dc festlegt und die Anforderungen der IEC 60335-2-69 ergänzt beziehungsweise modifiziert. Das zeigt deutlich: Die Anforderungen für Geräte in einer explosiven Staubatmosphäre sind von denen für Geräte außerhalb einer solchen Atmosphäre zu unterscheiden.
ACD oder ATEX: So treffen Sie die richtige Auswahl
Bevor Sie einen Industriesauger für brennbare Stäube auswählen, sollten Sie mindestens folgende Fragen beantworten:
Handelt es sich um Metallstaub, Kunststoffstaub, Holzstaub, Lebensmittelpulver, pharmazeutische Pulver oder ein anderes Material? Jedes Saugmedium besitzt unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich Korngröße, Dichte, Brennbarkeit und Explosionsfähigkeit. Gerade bei feinen Stäuben können sich die Eigenschaften deutlich von denen des Ausgangsmaterials unterscheiden. Deshalb sollte möglichst genau bekannt sein, welches Material abgesaugt wird und in welcher Form es vorliegt.
Nicht jeder Staub ist automatisch explosionsfähig. Entscheidend sind unter anderem die stofflichen Eigenschaften, die Partikelgröße und die Konzentration des Staubs in der Luft. Für eine zuverlässige Beurteilung sollten deshalb die relevanten Sicherheitsdaten des Materials beziehungsweise vorhandene Prüfwerte herangezogen werden. Im Zweifel sollte die Einstufung durch eine entsprechend qualifizierte Fachperson erfolgen.
Wenn ja, muss geklärt werden, unter welchen Bedingungen und wie häufig diese entsteht. Eine explosionsfähige Atmosphäre kann beispielsweise durch aufgewirbelte brennbare Stäube oder durch bestimmte Prozessschritte entstehen. Entscheidend ist dabei nicht nur das Material selbst, sondern auch die Umgebung, in der es verarbeitet, transportiert oder abgesaugt wird. Aus diesen Bedingungen ergibt sich unter anderem, ob eine Zoneneinteilung erforderlich ist.
Bei brennbaren Stäuben sind insbesondere Zone 20, 21 und 22 relevant. Zone 20 beschreibt Bereiche, in denen eine explosionsfähige Atmosphäre aus Staub/Luft-Gemischen ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden ist. In Zone 21 kann eine solche Atmosphäre im Normalbetrieb gelegentlich auftreten, während sie in Zone 22 normalerweise nicht vorhanden ist oder nur kurzzeitig auftritt. Die Zoneneinteilung ist eine wesentliche Grundlage für die Auswahl geeigneter Betriebsmittel und damit auch für die Auslegung eines Industriesaugers.
Das ist eine der wichtigsten Fragen: Innerhalb oder außerhalb der klassifizierten Zone? Ein Sauger, der direkt in einer ATEX-Zone eingesetzt wird, muss andere Anforderungen erfüllen als ein Gerät, das außerhalb der Zone steht und lediglich Material aus dem Gefahrenbereich absaugt. Dabei ist die gesamte Anwendung zu betrachten – einschließlich Sauggerät, Schlauchleitung, Zubehör und Übergabestellen. Eine pauschale Aussage wie „brennbarer Staub = ATEX-Sauger“ greift deshalb häufig zu kurz.
Neben dem Explosionsschutz können Anforderungen an die Abscheidung gesundheitsgefährdender Stäube bestehen. Je nach Anwendung können beispielsweise Filter der Staubklasse M oder H beziehungsweise zusätzliche HEPA-Filtration erforderlich sein. Besonders bei sehr feinen oder gesundheitsschädlichen Stäuben muss die Filterauslegung auf das konkrete Material und den vorgesehenen Prozess abgestimmt werden. Explosionsschutz und Arbeitsschutz sind dabei zwei unterschiedliche Aspekte, die gemeinsam betrachtet werden müssen.
Schläuche, Düsen, Verlängerungen und weitere Komponenten müssen für die jeweilige Anwendung geeignet sein. In explosionsgefährdeten Bereichen spielt insbesondere die elektrische Leitfähigkeit beziehungsweise Ableitfähigkeit der eingesetzten Komponenten eine wichtige Rolle. Ein geeigneter Sauger allein reicht daher nicht aus, wenn angeschlossenes Zubehör ungeeignet ist. Die gesamte Saugkette sollte als zusammenhängendes System betrachtet und entsprechend ausgelegt werden.
Auch Sammelbehälter und Entleerung müssen bei der Auslegung berücksichtigt werden. Bei brennbaren oder explosionsfähigen Stäuben muss verhindert werden, dass sich beim Sammeln, Transportieren oder Entleeren zusätzliche Gefahren ergeben. Je nach Material und Einsatz können beispielsweise spezielle Sammelbehälter, Longopac-Systeme oder andere sichere Entleerungslösungen sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass nicht nur der Saugvorgang selbst, sondern der gesamte Weg des Materials vom Entstehungsort bis zur Entsorgung sicher betrachtet wird.
ACD und ATEX sind keine konkurrierenden Qualitätsstufen
Ein häufiger Denkfehler lautet:
ACD = weniger sicher als ATEX
Das ist zu vereinfacht.
ACD und ATEX adressieren unterschiedliche Einsatzbedingungen und Anforderungen. Ein ACD-Industriesauger ist nicht einfach ein „schlechterer ATEX-Sauger“. Er ist vielmehr für einen anderen Anwendungsfall konzipiert. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Was ist sicherer – ACD oder ATEX?“
Sondern:
„Welche Anforderungen gelten für meine konkrete Anwendung und den Aufstellort des Saugers?“
Erst daraus ergibt sich, welche Geräteausführung erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen zu ACD und ATEX
ACD bezeichnet bei Industriesaugern Geräte, die für die Aufnahme brennbarer Stäube in dafür geeigneten Bereichen ausgelegt sind. ATEX bezieht sich auf Anforderungen an Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen. Ein ACD-Sauger ist deshalb nicht automatisch für den Betrieb innerhalb einer ATEX-Zone geeignet.
Ja, ACD-Industriesauger sind für entsprechende Anwendungen mit brennbaren Stäuben ausgelegt. Entscheidend ist jedoch, dass das konkrete Gerät für das jeweilige Saugmedium und die Einsatzbedingungen geeignet ist und der Aufstellort des Saugers berücksichtigt wird.
Das kann möglich sein, wenn der Sauger außerhalb des klassifizierten Bereichs steht und die gesamte Anwendung einschließlich des verwendeten Zubehörs entsprechend ausgelegt ist. Der konkrete Einsatz muss jedoch anhand der Zoneneinteilung, des Saugmediums und der Geräteanforderungen geprüft werden.
Nein. Die beiden Ausführungen sind für unterschiedliche Einsatzbedingungen gedacht. Ein ATEX-Gerät ist nicht automatisch die bessere Wahl, wenn der Industriesauger außerhalb einer Ex-Zone betrieben wird. Entscheidend ist, welche Anforderungen am Einsatzort tatsächlich bestehen.