Staubklassen L, M und H: Was sie bedeuten und welche Klasse Ihr Betrieb wirklich braucht

02/09/2026
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Labels der Staubklassen L M und H

Wer in gewerblichen oder industriellen Arbeitsumgebungen mit Staub arbeitet, sollte sich intensiv mit dem Thema Staubklassen auseinandersetzen. Beim Schleifen, Fräsen, Sägen, Bohren, bei Reinigungsarbeiten oder in Produktionsprozessen entstehen unterschiedlichste Stäube und diese unterscheiden sich teilweise erheblich hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Gefährdung.

Nicht jeder Industriesauger ist für jede Staubart geeignet. Während bestimmte Stäube mit einem Gerät der Staubklasse L sicher aufgenommen werden können, erfordern gesundheitsgefährdende oder krebserzeugende Stäube deutlich höhere Schutzmaßnahmen. Die falsche Auswahl kann dazu führen, dass gefährliche Partikel wieder in die Atemluft gelangen und Mitarbeiter langfristig gesundheitlichen Risiken ausgesetzt werden.

Die Norm IEC 60335-2-69 beziehungsweise die europäische EN 60335-2-69 definiert deshalb Anforderungen an gewerblich und industriell eingesetzte Sauger. Sie unterscheidet dabei zwischen den Staubklassen L, M und H.

Doch was bedeuten diese Klassen konkret und welche Staubklasse benötigt Ihr Betrieb?

 

Was steckt hinter der Norm IEC 60335-2-69?

Die IEC 60335-2-69 definiert Sicherheitsanforderungen für elektrisch betriebene Nass- und Trockensauger im gewerblichen Bereich. In Europa ist die Norm als EN 60335-2-69 von besonderer Bedeutung. Ein zentraler Bestandteil der Norm ist die Bewertung von Saugern hinsichtlich ihrer Fähigkeit, gesundheitsgefährdende Stäube sicher aufzunehmen und zurückzuhalten. Dabei gilt grundsätzlich: Je höher die gesundheitliche Gefährdung des aufgenommenen Staubes, desto höher sind die Anforderungen an das Saugsystem.

Die Staubklassen L, M und H beziehen sich dabei nicht auf die Saugleistung oder die Größe eines Industriesaugers. Entscheidend ist vielmehr, wie zuverlässig das Gesamtsystem Staub zurückhält.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Filterleistung,
  • die Dichtheit des Geräts,
  • die Konstruktion des Saugers,
  • die sichere Entleerung des Sammelbehälters,
  • der Filterwechsel,
  • sowie die Vermeidung einer erneuten Staubfreisetzung.

Die Staubklasse beschreibt somit das Sicherheitsniveau des gesamten Saugersystems.

 

 

Staubklasse L, M und H im direkten Vergleich

Staub-
klasse          
GefährdungMaximaler StaubdurchlassTypische Anwendungen
LGering gefährliche StäubeMax. 1 %Allgemeine Werkstatt- und Reinigungsarbeiten, grobe Stäube, bestimmte Kunststoffe
M

 

Gesundheitsgefährdende Stäube

 

Max. 0,1 %Holzfeinstaub, mineralische Stäube, viele Schleif- und Bearbeitungsstäube
HHochgefährliche und krebserzeugende StäubeMax. 0,005 %Asbest, bestimmte krebserzeugende Stäube, hochgefährliche Stoffe und Sanierungsarbeiten

Wichtig ist: Die Auswahl der Staubklasse darf nicht ausschließlich anhand einer allgemeinen Beschreibung des Materials erfolgen. Entscheidend sind immer die tatsächlichen Eigenschaften des Staubes sowie die Ergebnisse der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung.

 

 

Die verschiedenen Staubklassen im Detail

Staubklasse L: Für gering gefährliche Stäube

Sauger der Staubklasse L sind für Stäube mit vergleichsweise geringer gesundheitlicher Gefährdung ausgelegt. Das „L“ steht für Low Hazard, also eine geringe Gefährdung. Der maximal zulässige Staubdurchlass beträgt bei dieser Klasse 1 %. Das bedeutet, dass die Anforderungen an die Staubrückhaltung geringer sind als bei Geräten der Klassen M und H.

Typische Anwendungen können beispielsweise sein:

  • allgemeiner Werkstatt- und Betriebsstaub,
  • grobe Bearbeitungsrückstände,
  • bestimmte Kunststoffspäne und Granulate,
  • Lebensmittelreste und Produktionsrückstände,
  • sowie Stäube, für die keine erhöhte Gesundheitsgefährdung besteht.

L-Klasse-Sauger werden häufig für allgemeine Reinigungsaufgaben und Anwendungen eingesetzt, bei denen keine besonders gefährlichen Feinstäube aufgenommen werden. Allerdings ist Vorsicht geboten: Ein Staub, der auf den ersten Blick harmlos erscheint, kann abhängig von seiner Partikelgröße durchaus gesundheitlich relevant sein. Insbesondere feine, alveolengängige Stäube können tief in die Lunge eindringen. Daher sollte die Staubklasse niemals ausschließlich nach der Bezeichnung eines Materials ausgewählt werden.

Staubklasse M: Der Standard für viele industrielle Anwendungen

Die Staubklasse M steht für Medium Hazard und ist für gesundheitsgefährdende Stäube vorgesehen. Der zulässige Staubdurchlass beträgt hier maximal 0,1 %. Damit sind die Anforderungen an die Staubrückhaltung deutlich höher als bei einem L-Klasse-Sauger. In vielen industriellen und handwerklichen Anwendungen ist die Staubklasse M besonders relevant. Typische Einsatzbereiche können unter anderem sein:

  • Holzfeinstaub,
  • Schleifstäube,
  • Zement- und Betonstaub,
  • mineralische Stäube,
  • bestimmte Farb- und Lackstäube,
  • sowie weitere gesundheitsgefährdende Feinstäube.

Besonders in der Holzverarbeitung spielt die richtige Absaugtechnik eine wichtige Rolle. Feine Holzstäube können beim Sägen, Schleifen oder Fräsen entstehen und über längere Zeit in der Atemluft verbleiben. Auch mineralische Stäube, beispielsweise aus Beton oder anderen Baustoffen, können abhängig von ihrer Zusammensetzung und Partikelgröße ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen.

Ein wesentlicher Vorteil von M-Klasse-Geräten ist, dass sie auf eine höhere Staubrückhaltung ausgelegt sind. Dadurch wird das Risiko reduziert, dass gefährliche Staubpartikel über die Abluft des Saugers wieder in die Arbeitsumgebung gelangen. Für viele Unternehmen stellt die Staubklasse M daher einen wichtigen Standard bei der professionellen Staubaufnahme dar.

Staubklasse H: Für hochgefährliche Stäube

Die Staubklasse H stellt die höchste Anforderungsstufe innerhalb der Staubklassen nach IEC beziehungsweise EN 60335-2-69 dar. Das „H“ steht für High Hazard. Der maximal zulässige Staubdurchlass beträgt 0,005 %. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Konstruktion und Dichtheit des gesamten Gerätes.

H-Klasse-Sauger kommen überall dort zum Einsatz, wo besonders gefährliche, toxische oder krebserzeugende Stäube sicher aufgenommen werden müssen. Typische Anwendungsbereiche können beispielsweise sein:

  • Asbestarbeiten,
  • bestimmte krebserzeugende oder mutagene Stäube,
  • Sanierungsarbeiten mit hochgefährlichen Stäuben,
  • bestimmte Schimmel- und Sanierungsanwendungen,
  • kontaminierte Materialien,
  • sowie Anwendungen mit besonders gefährlichen pharmazeutischen oder chemischen Substanzen.

Bei solchen Anwendungen reicht es nicht aus, dass der Filter eine hohe Abscheideleistung besitzt. Entscheidend ist das gesamte Sicherheitskonzept des Saugers.

Dazu gehören:

  • eine besonders hohe Dichtheit des Geräts,
  • sichere Entleerungs- und Entsorgungssysteme,
  • Maßnahmen zur Minimierung der Staubfreisetzung,
  • sowie sichere Verfahren für den Filterwechsel.

Gerade bei hochgefährlichen Stäuben darf durch Wartung, Entleerung oder Filterwechsel keine unnötige Sekundärbelastung für Mitarbeiter entstehen.

 

Welche Staubklasse braucht mein Betrieb?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal allein anhand der Branche beantworten. Die Grundlage für die Auswahl eines geeigneten Industriesaugers ist immer die Gefährdungsbeurteilung. Unternehmen müssen bewerten, welche Gefahrstoffe und Stäube an einem Arbeitsplatz entstehen und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Dabei spielen unter anderem folgende Fragen eine Rolle:

  • Welcher Stoff wird abgesaugt?
  • Welche Inhaltsstoffe enthält der Staub?
  • Wie fein sind die Staubpartikel?
  • Ist der Staub alveolengängig?
  • Gibt es toxische oder krebserzeugende Bestandteile?
  • Welche Staubmenge entsteht?
  • Wie häufig wird der Sauger eingesetzt?
  • Kann beim Entleeren des Behälters Staub freigesetzt werden?

Die Gefährdungsbeurteilung sollte deshalb immer vor der Auswahl eines Industriesaugers stehen – und nicht erst danach.

 

 

Staubklasse und ATEX: Zwei unterschiedliche Anforderungen

Ein wichtiger Punkt wird in der Praxis häufig verwechselt: Staubklasse und Explosionsschutz sind nicht dasselbe.

Ein Industriesauger der Staubklasse H ist nicht automatisch für explosionsfähige Stäube geeignet. Umgekehrt bedeutet eine ATEX-Konformität auch nicht automatisch, dass ein Gerät für hochgefährliche oder krebserzeugende Stäube der Staubklasse H geeignet ist. Die Staubklasse beschreibt in erster Linie den Schutz vor der Freisetzung gesundheitsgefährdender Stäube. ATEX beziehungsweise Explosionsschutz betrifft dagegen die Frage, ob ein Staub oder Gas unter bestimmten Bedingungen eine explosionsfähige Atmosphäre bilden kann. In bestimmten Anwendungen können daher beide Anforderungen gleichzeitig relevant sein. Ein Beispiel: Ein aufgenommener Staub kann sowohl gesundheitsschädlich als auch explosionsfähig sein. In diesem Fall muss das Absaugsystem beide Aspekte berücksichtigen.

 

 

Staubklasse ist nicht gleich Filterklasse

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Gleichsetzung von Staubklassen mit Filterklassen wie EPA, HEPA oder ULPA. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Klassifizierungssysteme. Ein HEPA-Filter beschreibt beispielsweise die Abscheideleistung eines Filters unter definierten Bedingungen. Die Staubklasse L, M oder H nach EN 60335-2-69 bewertet dagegen die Anforderungen an das Saugsystem als Ganzes. Ein hochwertiger Filter allein macht aus einem Industriesauger daher nicht automatisch ein Gerät der Staubklasse H.

 

 

Die richtige Staubklasse schützt Mitarbeitende und Prozesse

Staubklassen sind weit mehr als eine technische Kennzeichnung auf einem Industriesauger. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Arbeitsschutzes. Die falsche Geräteauswahl kann dazu führen, dass gefährliche Feinstäube wieder in die Arbeitsumgebung gelangen und Mitarbeitende über längere Zeit belastet werden. Gerade bei chronischer Staubbelastung werden gesundheitliche Folgen häufig nicht sofort sichtbar. Umso wichtiger ist es, bereits bei der Auswahl der Absaugtechnik die tatsächlichen Risiken zu berücksichtigen.

Die zentrale Frage lautet daher nicht: „Welcher Sauger ist leistungsstark genug?“

Sondern: „Welcher Sauger bietet für unseren Staub und unsere Anwendung das erforderliche Sicherheitsniveau?“

Die Antwort ergibt sich aus der Kombination von Gefährdungsbeurteilung, Materialeigenschaften und konkreter Anwendung. Eine professionelle Beratung kann dabei helfen, die Anforderungen richtig einzuordnen und ein Saugsystem auszuwählen, das sowohl technisch als auch hinsichtlich Arbeitsschutz und Betriebssicherheit zur jeweiligen Anwendung passt.

 

 

Häufig gestellte Fragen zum Thema Staubklassen L, M und H

Die Staubklassen L, M und H klassifizieren Industrie- und Gewerbesauger entsprechend der Gefährlichkeit der aufzunehmenden Stäube. Je höher die Staubklasse, desto strengere Anforderungen gelten für die Staubrückhaltung und die Konstruktion des Saugers. L steht für gering gefährliche Stäube, M für gesundheitsgefährdende Stäube und H für besonders gefährliche oder hochgefährliche Stäube.

Nein. Ein Sauger der Staubklasse M erfüllt nicht automatisch die Anforderungen für die Aufnahme hochgefährlicher Stäube der Staubklasse H. H-Klasse-Sauger unterliegen deutlich strengeren Anforderungen an Staubrückhaltung, Dichtheit und die Vermeidung von Staubfreisetzung. Bei Stäuben, für die ein H-Klasse-Sauger erforderlich ist, darf daher kein Gerät mit einer niedrigeren Staubklasse eingesetzt werden.

Nein. Ein HEPA-Filter beschreibt die Abscheideleistung eines einzelnen Filters und ist nicht mit der Staubklasse eines Industriesaugers gleichzusetzen. Die Staubklasse H bezieht sich auf die Sicherheitsanforderungen des gesamten Saugsystems. Neben dem Filter spielen beispielsweise die Dichtheit des Geräts, der Filtereinbau sowie die sichere Entleerung und Wartung eine entscheidende Rolle.

Staubklasse und ATEX beschreiben unterschiedliche Anforderungen. Die Staubklasse L, M oder H bezieht sich auf die gesundheitliche Gefährdung des aufzunehmenden Staubes und die erforderliche Staubrückhaltung des Saugers. ATEX beziehungsweise Explosionsschutz bezieht sich dagegen auf das Risiko einer explosionsfähigen Atmosphäre. Ein Staub kann sowohl gesundheitsgefährdend als auch explosionsfähig sein, sodass für die entsprechende Anwendung beide Anforderungen berücksichtigt werden müssen.